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05. September 2010, 01:25:44
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Nach drei Zugaben und insgesamt zwei Stunden Länge war das Konzert um 0.30 Uhr vorbei. Eine Menge von 2 Millionen Menschen walzte wie eine Lawine die Avenue Charles de Gaulle hinunter Richtung Stadtzentrum. Dabei sah die Straße aus wie ein Schlachtfeld. Millionen von Coladosen und anderer Müll machten den Weg mühsam, ja geradezu gefährlich. Wir schlugen uns in eine Seitenstraße und über die Avenue du Roule, Avenue de Ternes, Avenue Haussmann und schließlich Rue Lafayette durch das Stadtzentrum durch. Überall herrschte totales Verkehrschaos. Um 3.00 Uhr hatten wir die 10 km Fußweg zum Hotel zurückgelegt und konnten endlich völlig erschöpft in die Betten fallen.

         


 

Situation.

Das Konzertgebiet erstreckte sich auf der Achse L'Arche/Defense - L'Arc de Triomphe über Avenue Charles de Gaulle, Avenue de la Grand Armee bis zur Avenue Champs Elysees. Außerdem waren der Eiffelturm und das Palais de Chaillot mit einbezogen. Das Aktionsgebiet umfasste damit eine Fläche von 5 x 1,8 km.




 










 

Das Abenteuer geht weiter...

Nach unserer Rückkehr war die Resonanz überwältigend. Die Zeitungen waren voll mit Artikeln über das Konzert und einige meiner Freunde mussten sich eingestehen, daß ihnen durch ihre fehlende Risikobereitschaft einiges entgangen war. Fotoabende wurden veranstaltet und wir mussten immer wieder ausführlich von unseren Erlebnissen erzählen.

Für mich persönlich war ein lange gehegter Traum endlich in Erfüllung gegangen und die Welt war wieder in Ordnung. Aber, wie das halt so ist, wenn man erstmal Blut geleckt hat, ich wollte mehr! Dieses unbeschreibliche Gefühl von Erhabenheit und Losgelöstsein von der reellen Welt, das ich während des Konzertes verspürte und meinen Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen trieb, wollte ich unbedingt wieder erleben.

Da kam es gerade recht, als der Kölner Express unter der Überschrift "Ganz Frankfurt wird meine Bühne" einen Artikel über Jarres Pläne brachte, schon 1991 in Frankfurt sein nächstes Konzert zu starten. Für Stefan und mich war sofort klar, daß wir wieder dabei sein würden und auch einige andere meldeten diesmal wieder reges Interesse an, an einer von mir organisierten "Frankfurt Tour 1991" teilzunehmen.

Doch zunächst standen ein paar Veränderungen in meinem Leben an. Im September 1990 wechselte ich innerhalb des Unternehmens meinen Job, kam endlich vom Postschalter weg und fing beim heutigen Renten Service der Deutschen Post an. Das führte dazu, daß sich meine Freundschaft mit Stefan auch "offiziell" endgültig vom Kollegendasein wegbewegte, was unsere gemeinsamen Unternehmungen eher noch intensivierte.

To boldly go...

Im Januar 1991 fasste ich schließlich den Entschluss, meiner zweiten Leidenschaft neben Jarre, Star Trek, auch endlich mehr Nachdruck zu verleihen, und trat in den Star Fleet Command ein. Schon kurz darauf lernte ich durch das etwas leichtsinnige Angebot, jedem interessierten Clubmitglied ein gewisses Star Trek Special zu kopieren, etliche neue Leute kennen, von denen ich mit einigen bis heute befreundet bin. Besonders mit Alexandra Siegle baute sich ein intensiver Kontakt auf, der mich (und auch Stefan) im Laufe der nächsten Jahre des öfteren in die Stuttgarter Gegend führen sollte. Die Kontakte, die sich in den folgenden Monaten mit Leuten wie Alex Siegle, Uli Wagner, Kerstin Bünemann und Alexander Rösch, aber auch mit Tanja Busch, Inga Schorn und Susan Altenberg aufbauten, beeinflussten mein Trekkerleben maßgeblich und trugen nicht unerheblich dazu bei, daß ich mich zwei Jahre später dazu entschloss, einen gewissen Star Trek Fanclub mit aus der Taufe zu heben. Aber das ist eine andere Geschichte...

Das Geburtstagsgeschenk.

Im März 1991 befand ich mich mitten in den Vorbereitungen für Frankfurt. Obwohl es dieses Mal nicht so viel zu organisieren gab wie für La Defense, galt es Erkundigungen über Ort und Zeit, Verkehrsverbindungen zum Setting etc. einzuholen. Mein Neffe René hatte inzwischen auch die Musik Jarres für sich entdeckt und träumte, nicht zuletzt aufgrund meiner Erzählungen, davon, ebenfalls mal eines seiner Konzerte sehen zu können. Entsprechend groß war die Freude, als ich ihm zu seinem zehnten Geburtstag eines der neuen, in "guter alter Tradition" von mir angefertigten Tour-Shirts samt einem Gutschein für eine Mitnahme zum Frankfurter Konzert schenkte. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, daß dies das folgenschwerste und vermutlich auch teuerste Geburtstagsgeschenk meines Lebens werden würde...

Es kam wie es kommen musste: aufgrund der engstirnigen deutschen Bürokratie, für die der Gedanke an eine Veranstaltung, die eine ganze Stadt lahmlegt und das noch dazu mitten in der Nacht, eine Horrorvorstellung war, cancelte Jarre das Konzert in Frankfurt. Die Enttäuschung war natürlich riesengroß und das gerade gewonnene Vertrauen meiner Freunde war wieder dahin. Nun, zumindest gab es keine finanziellen Verluste. René aber traf es doch sehr hart. Er hatte sich so sehr auf diese aufregende Tour gefreut, daß ich es nicht anders übers Herz brachte, als ihm zu versprechen, mein Geschenk irgendwann trotzdem einzulösen, sobald sich wieder die Gelegenheit zu einem Jarre Konzert ergab. Er sollte sechs Jahre warten, bis ich mein Versprechen einlösen konnte...

Sonnenfinsternis im Land der Inkas.


Ein Bekannter Stefans war im Frühjahr 1991 bei einer Fahrt durch die Eifel rein zufällig auf ein kleines Plakat gestoßen, das aus unerfindlichen Gründen dort an etlichen Laternen klebte und für einen neuen englischen (!) Jean Michel Jarre Fanclub warb. Da er von seiner Vorliebe wußte, riss er kurzerhand eines herunter und überreichte es dem doch ziemlich verblüfften Stefan. Nachdem wir uns beratschlagt hatten, wurde Stefan kurzerhand Mitglied. Die Hoffnung, endlich schneller an zuverlässige Informationen zu kommen, wurde gleich belohnt. Conductor of the Masses erwies sich fortan als unerlässliche Informationsquelle.

Mit die erste Info, die wir bekamen, war die, daß Jarre ein Konzert am Fuße der Inka Pyramiden in Teotihuacan, Mexiko, plante. Und zwar aus Anlass der dort stattfindenden absoluten Sonnenfinsternis. Geplant war, zunächst während der Sonnenfinsternis zu spielen und das eigentliche Konzert am Abend fortzusetzen.

Dieses Konzept begeisterte uns so sehr, daß wir ernsthaft überlegten, kurzfristig unseren diesjährigen Urlaub in Mexiko zu verbringen! Ich hängte mich mal wieder ans Telefon, plagte mich mit der mexikanischen Botschaft herum, und tatsächlich, nach einigem Bohren bekam ich eine Bestätigung, daß entsprechende Vorbereitungen im Gange wären.

Die Ernüchterung kam allerdings, als ich begann, im Reisebüro nach günstigen Reisemöglichkeiten zu fragen. Hauptsaison, keine Hotels in der Nähe, keinerlei Pauschalangebote die man hätte nutzen können. Alles musste einzeln gebucht werden und hätte rund 4000 Mark pro Nase gekostet. René hatte ich eh schon vertröstet und nach ein paar Tagen Insichgehens ließen wir den Plan, nach Mexiko zu fliegen, schließlich schweren Herzens ganz fallen.

Wie sich herausstellte eine glückliche Entscheidung, denn Jarre erkrankte drei Wochen vor dem Konzert an einer Lungenentzündung. Das Projekt Mexiko fand nie statt.

So war das Jahr 1991, was Jarre betraf, eher von Enttäuschungen geprägt. Immerhin kam Ende des Jahres noch ein neues Album heraus.

Images.

Ausschnitt: Moon Machine
59s | 803k 
Images
1991

Da es sich bei Images um eine Best of CD handelte, wurde das Album von der Kritik schnell zu einer überflüssigen Weihnachts-Compilation abgestempelt. Völlig zu Unrecht, denn es enthielt sowohl vier interessante Neueinspielungen als auch drei völlig neue Stücke.

Moon Machine war der von mir schon lange geliebte Intro-Track des Lyon Videos, endlich in voller Länge. Eldorado und Globetrotter waren zwei brandneue Tracks, die Jarre speziell für das gecancelte Mexiko Projekt komponiert hatte.

So ging das Jahr 1991 ohne weiteres Jarre Konzert vorüber. Aber gewappnet mit neuen Informationskanälen lagen wir auf der Lauer. Unsere nächste Chance sollte kommen!

Fortsetzung folgt...

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